Beschreibung
In der Kapelle Saint-Martin in Chevaline zeigt diese Ausstellung die Arbeiten von Glasmeisterinnen, Künstlerinnen und einigen ihrer Schülerinnen, die alle eine Leidenschaft für diese jahrtausendealte und zugleich erstaunlich moderne Kunstform verbindet.
Ob traditionelle oder zeitgenössische Themen, Glasfenster oder Leuchten – die Glasmalerei bringt die künstlerische Welt jeder einzelnen Künstlerin und jedes einzelnen Künstlers zum Ausdruck. Vom 22. bis 28. August wird die Ausstellung außerdem von einem Programm aus Veranstaltungen und Vorträgen begleitet.
GLASFENSTER: FÉMININ PLURIEL, Ein ungewöhnliches, vielleicht sogar etwas provokantes Thema?
Für manche durchaus. Denn Glasmalerei und insbesondere der Beruf des Glasmeisters wurden nur selten mit Frauen in Verbindung gebracht. Dabei waren Frauen bereits im Mittelalter in diesem Handwerk tätig. Einige arbeiteten in den Familienwerkstätten – allerdings als Ehefrau, Mutter oder Tochter des Glasmeisters.
Im 20. Jahrhundert wandelte sich diese unsichtbare Mitwirkung in den Familienwerkstätten zu einer zunehmend sichtbaren und anerkannten Präsenz.
Seit Ende des 20. Jahrhunderts wird der Beruf tatsächlich auf allen Ebenen zunehmend von Frauen geprägt. Immer mehr Frauen arbeiten in den Werkstätten, einige leiten diese sogar. Auch bei der Gestaltung von Glasfenstern sind Frauen zunehmend vertreten. In den Medien werden sie häufig gezeigt, wenn die Arbeit einer bestimmten Werkstatt vorgestellt wird. Ihr Können wird zudem ausgezeichnet: So gingen beispielsweise beim Wettbewerb „Meilleur Ouvrier de France“ 6 der letzten 9 Titel in der Kategorie „Kunstglasfenster“ an Frauen.
Was ist also heute der Unterschied zwischen einer Glasmeisterin und einem Glasmeister?
Die Arbeiten von Frauen beschäftigen sich häufig mit Themen wie Natur, Erinnerung, Intimität und Sozialgeschichte.
Als Neue in dieser alten Welt scheuen sich die Glasmeisterinnen nicht davor, sich von traditionellen Themen (biblische Darstellungen, klassische dekorative Gestaltung usw.) zu lösen und eine persönlichere und soziokulturelle Ausdrucksform zu entwickeln. Sie experimentieren mit Techniken, interpretieren sie neu und machen dieses Medium zu ihrem eigenen.
Die Verbindung von Moderne und Tradition, ein eigenständiger und zeitgenössischer Blick – vielleicht liegen darin die Impulse für die Weiterentwicklung, die die zunehmende Präsenz von Frauen dieser jahrtausendealten Kunst geben kann.



